Leben mit Corona: der Tanz nach dem Hammer

Zweite, dritte Coronawelle? Zwei Schritte vor und drei zurück?


Die häufig als “Tanz” beschriebene weitere Entwicklung der Corona-Pandemie mit periodischem Auf und Ab beschäftigt Wissenschaftler, Politiker und Trendforscher und sorgt aktuell für eine Spaltung der Gesellschaft. Da gibt es einerseits diejenigen, die die aktuellen Lockerungen bereits als Ende der Pandemie wahrnehmen und munter drauflos in Cliquen die Parks bevölkern. Auf der anderen Seite sind da jene, die erst vom Anfang der Pandemie sprechen, mit weiteren Ausbrüchen innerhalb der nächsten zwei Jahre rechnen und deshalb dringend vor (weiteren) Lockerungen warnen. Diese Spaltung führt zum Zick-Zack-Kurs – zu einem Trial and Error. Je nachdem, welche Stimmen gerade lauter werden, wird gelockert oder eingefroren – nun in Verantwortung der Bundesländer.

Mit Blick auf die eher geringe Wahrscheinlichkeit, in den nächsten Monaten über einen einsatzbereiten Impfstoff zu verfügen, ist nun jede(r) Einzelne gefragt, diesen “Tanz” zu gestalten ohne je eine Tanzstunde dafür besucht zu haben. Das wird nicht ohne schmerzhafte Blasen, blaue Flecken und schwindelerregende Pirouetten ausgehen. Zu viele Fragen stehen im Raum: Wie viel Normalität ist möglich? Welche Entscheidungen sind richtig? Welche Langzeitfolgen werden sie haben? Was werden sie uns kosten – nicht nur monetär? Und was sind wir bereit zu “zahlen”?

Diese Unsicherheiten und damit verbundenen Zukunftssorgen werden uns noch eine ganze Weile begleiten. Ob längere Kurzarbeit, Perspektivlosigkeit, Home-Schooling-Chaos, unternehmerische Existenznöte oder andere Umstände, viele von uns machen gerade tiefgehende Krisenerfahrungen, die viel Bisheriges infrage stellen und zu großer Unsicherheit und innerer Zerissenheit führen.

Mit dem Virus leben – den eigenen Tanzstil finden

Oft hören wir dieser Tage “Wir werden mit dem Virus leben lernen müssen”. Doch in vielerlei Hinsicht ist das leichter gesagt als getan. Wie kann uns das “damit leben lernen“ gelingen? Wie schaffe ich es, mit der Ungewissheit dieser Zeit gut umzugehen? Wie bekomme ich Beruf und Familie gut unter einen Hut? Was hilft mir dabei? Was brauche ich, um trotz hoher Unsicherheit in Balance zu bleiben? Was kann mich dabei stärken? Was hat in der Vergangenheit funktioniert und könnte mir auch jetzt nützlich sein? Diese und ähnliche Fragen eröffnen Reflexionsräume, die wir nutzen können, um unseren eigenen Weg, unseren eigenen Stil im Umgang mit der Situation zu entdecken.

WENN wir bereit sind, tatsächlich hinzuschauen, was uns gerade verunsichert oder irritiert und weshalb das so ist, …

WENN wir uns mutig Fragen stellen und diese ehrlich vor uns selbst und vor anderen beantworten …

WENN wir reflektieren, was veränderungswürdig ist und was bewahrenswert ist …

WENN wir veränderungsbereit Gewohnheiten hinterfragen und die durch Corona sichtbar gewordenen Defizite wertschätzen und zur Optimierung nutzen, …

DANN erwächst daraus die Chance, ganz persönliche Entwicklungsschritte zu gehen und Chancen zu ergreifen, die uns gestärkt aus der Krise hervorgehen lassen – jeweils im individuellen Tanzstil.